Das
Testergebnis verblüffte: Während die erste Wärmepumpenanlage eine Jahresarbeitszahl
von 3,7 erreichte, langte es bei der zweiten lediglich zu einem indiskutablen
Wert von 2,4. Dabei waren die Wärmepumpen identisch, nur die
Installationsbetriebe waren nicht dieselben. Kommentar der Tester: Offensichtlich
sind den Verantwortlichen bei der Dimensionierung und bei den
Installationsarbeiten Fehler unterlaufen. Wie kann so etwas passieren?
Zunächst gilt es einmal, zwei wichtige
Kenngrößen zu unterscheiden. In Verkaufs- und Beratungsgesprächen wird häufig
mit der Leistungszahl argumentiert. Für die Rentabilität einer Wärmepumpenanlage
ist sie nicht allein entscheidend, da sie unter gleich bleibenden Bedingungen
auf einem Prüfstand ermittelt wird und nur einen Momentwert des Leistungsvermögens
einer Wärmepumpe darstellt. Weit aussagekräftiger für die Einschätzung der
Wirtschaftlichkeit ist die Jahresarbeitszahl (JAZ). Sie ist zu verstehen als
der Mittelwert einer sich dauernd ändernden Leistungszahl, betrachtet über
einen Zeitraum von einem Jahr. Sie berücksichtigt (anders als die Leistungszahl)
auch die Leistungsaufnahmen der Hilfsantriebe wie Pumpen, Lüfter, Regelungen
und sonstiger elektrischer Verbraucher, soweit sie für den Betrieb der Wärmepumpenanlage
benötigt werden. Die JAZ reagiert außerdem sehr stark bei Anhebung der
Temperatur auf der Heizungsseite sowie bei einer Senkung aufseiten der Wärmequelle.
Um das mit einem Wert zu verdeutlichen: Eine mittlere Temperaturerhöhung um 1 °C
verschlechtert die Jahresarbeitszahl um 2 bis 2,5 % und erhöht den Energieverbrauch
um den gleichen Wert. Für die Ermittlung der Leistungszahl wenden sich Wärmepumpenhersteller
in der Regel an unabhängige Institute (die übrigens auf Antrag auch die Erfüllung
der Kriterien für das EHPA-Qualitätslabel bestätigen). Die Prüfbedingungen und -verfahren basieren auf
der europäischen Norm EN 14511 und den dort erwähnten weiteren Normen und
Richtlinien. Die mittlere Leistungszahl wird durch Division der während der Prüfdauer
gewonnenen Heizwärme durch die entsprechend aufgewendete elektrische Energie
bestimmt (ε=
Qwp/Eel). Sie gilt also nur mit Daten, die während der Prüfdauer
ermittelt wurden - zu einem späteren Zeitpunkt bei veränderten Bedingungen sind
andere Werte zu erwarten. Im Voraus lässt sich die JAZ
nur überschlägig ermitteln. Zu diesem Zweck haben die RWE Messergebnisse aus
vielen bestehenden Anlagen zusammengetragen und daraus ein „Arbeitsblatt zur überschlägigen
Bestimmung der Jahresarbeitszahl einer Wärmepumpenanlage" entwickelt.
Dieses Formblatt, das die Grundlage der VDI-Richtlinie 4650 bildet, wurde mit
realen Messwerten validiert und ist in der Fachwelt allgemein anerkannt. Man
findet das Arbeitsblatt in ähnlicher Form auf Websites von Herstellern oder
unter www.waermepumpe.de (Bundesverband
WärmePumpe (BWP) e. V.) und kann damit online arbeiten. Die Vorgehensweise ist weitgehend automatisiert: Nach
Eingabe von nur wenigen bauseitigen Daten wird die voraussichtliche Jahresarbeitszahl
ermittelt.
Die Ermittlung der tatsächlichen Jahresarbeitszahl
einer Wärmepumpenanlage und damit deren Wirtschaftlichkeit ist hingegen nur
durch Messungen über einen längeren Zeitraum möglich. So führte die Bürgervereinigung „Lokale Agenda 21
- Gruppe Umwelt/Energie Lahr" zusammen mit der Ortenauer Energieagentur
in Offenburg von 2006 bis 2008 einen „Feldtest Elektro-Wärmepumpen" durch.
Schon die Ergebnisse der Heizperiode 2006/2007 bestätigen
das oben Gesagte:
Es bestehen erhebliche Unterschiede zwischen
den Ergebnissen von Leistungszahlmessungen auf den Testständen und den
Jahresarbeitszahlen, die unter realistischen Betriebsbedingungen erzielt werden.
Die Auswertung des Tests liefert folgendes
Bild, wobei die Wärmepumpe jeweils mit einer Fußbodenheizung betrieben wurde:
·Spitzenreiter sind Erdreich-Wärmepumpen.
Sie erreichten im Mittel eine JAZ von 3,5 bis 3,6.
·Grundwasser-Wärmepumpen
erzielten einen Mittelwert von 3,4.
·Luft-Wärmepumpen erreichten
eine JAZ von durchschnittlich 2,95.
·Bei den Warmwasser-Wärmepumpen
betrug der Mittelwert nur 1,7.
Am wirtschaftlichsten
lassen sich Wärmepumpen mit einer Fußbodenheizung betreiben. Die
Jahresarbeitszahlen liegen bei reinem Heizbetrieb gegenüber einer Radiatorenheizung
im Mittel um 0,3 (Erdreich-WP) bzw. 0,65 (Luft-WP) Punkte höher. Natürlich lässt sich eine Wärmepumpe auch mit Radiatoren betreiben
(typischer Fall: Altbausanierung). Hersteller, Handwerker und Elektrizitätswerke
sollten den potenziellen Käufern dann aber nicht verschweigen, dass sie bis zu
10 % (bei einer Erdreich-WP) bzw. bis zu 28 % (bei einer Luft-WP) mehr Strom
verbrauchen. Das kann dann schon die Strommenge sein, die den Betrieb eines Wärmepumpensystems
unwirtschaftlich werden lässt.
Wie die „Lokale Agenda 21" jetzt
schreibt, hat der „Feldtest Elektro-Wärmepumpen" der Phase 1 (2006 bis
2008) fast nur mäßige bis schlechte Ergebnisse geliefert. Deshalb entschloss
man sich, eine Phase 2 „Innovative Wärmepumpensysteme" von 2009 bis 2011
anzuschließen, um festzustellen, ob sich in allerjüngster Vergangenheit bereits
etwas zum Positiven geändert hat oder ob und in welchem Maße weitere
Verbesserungen erforderlich sind.
Jahresarbeitszahl
größer drei für den Klimaschutz
Die tatsächlichen Jahresarbeitszahlen, die
im geschilderten Feldtest auf Einzelwerten von 33 Heiz- und fünf Warmwasser-Wärmepumpen
basieren, sind für den Bauherrn von einiger Bedeutung. Denn für ihn steht zum Zeitpunkt der Anschaffung
in der Regel die Frage im Vordergrund, in welchem Zeitraum sich die höheren
Investitionskosten, die im Vergleich zu den Kosten für eine Gas oder Ölheizung
anfallen, durch Energieeinsparung bezahlt machen (zumindest private Bauherren
rechnen häufig so, obwohl eine Amortisationsabschätzung angesichts der
Unsicherheit bei der Beurteilung der zukünftigen Preisentwicklung für Gas und Öl
realistischerweise nicht möglich ist). Die Mitglieder
der „Lokale Agenda 21 -Gruppe Umwelt/Energie" und mit ihnen viele
Klimafachleute möchten über die Wirtschaftlichkeit hinaus auch den Klimaschutz
berücksichtigt wissen und fordern deshalb für Wärmepumpen eine Jahresarbeitszahl
von mindestens 3. Dahinter steht die Überlegung, dass Kraftwerke 100 % Primärenergie
(Kohle, Gas, usw.) verbrauchen, um 33 % Sekundärenergie (elektrischen Strom)
zu erzeugen. Es werden also 67 % der eingesetzten Energie in Form von Abwärme
an die Umwelt abgegeben. Die
Elektrowärmepumpe soll nun diesen Anteil wieder wett machen, was bei einer JAZ
von 3 möglich wäre.
Vor diesem Hintergrund wären also Erdreich-Wärmepumpen
(mit Tiefensonden oder Erdreichkollektoren) und Grundwasser-Wärmepumpen in
Verbindung mit Fußbodenheizungen zu bevorzugen. Auf
den Einsatz von Luft-Wärmepumpen, die die gewünschte Jahresarbeitszahl 3
nicht erreichen, müsste hingegen konsequent verzichtet werden, selbst wenn sich
ihre Anschaffung irgendwann finanziell lohnen würde. Das gilt erst recht, wenn
sie für die Warmwasserversorgung eingesetzt werden, wo sie ja nur auf einen
mittleren Wert von 1,7 kommen, wie der Feldtest gezeigt hat. Luft-Wärmepumpen wären allerdings dann ein Gewinn
für die Umwelt, wenn die Antriebsenergie aus der Kraft-Wärme-Kopplung
(beispielsweise aus einem Blockheizkraftwerk) bezogen würde, denn dann dürfte
die empfohlene JAZ unter Umweltgesichtspunkten auch unter dem Wert von 3
liegen.
Fehler
bei Dimensionierung und Installation
Auch die E.ON Energie AG in München führte
Feldtests mit Wärmepumpen durch. Es wurden 29 Anlagen in Einfamilienhäusern über
einen Zeitraum von zwei Heizperioden überwacht. Die Ergebnisse ließen, wie
eingangs schon erwähnt, die Fachleute aufhorchen. Überraschend waren aber nicht
so sehr die guten Jahresarbeitszahlen für die Grundwasser- und Erdreich-Wärmepumpen
- die hatte man in etwa so erwartet -, sondern die Tatsache, dass die Qualität
von Planung und Installation einen so hohen Einfluss auf die
Jahresarbeitszahlen hatte. Zum Teil ergaben sich Abweichungen von mehr als 30
%.
Offensichtlich sind den Verantwortlichen Fehler
unterlaufen, indem sie physikalische Gesetzmäßigkeiten, die die Rentabilität einer
Wärmepumpe ausmachen, außer acht gelassen haben. So muss die Menge der eingesetzten
elektrischen Energie im Verhältnis zur Menge der abgegebenen thermischen
Energie so klein wie möglich sein. Das erreicht man erstens, wenn es gelingt,
die Differenz zwischen der Eintrittstemperatur des Wärmeträgers am Verdampfer
und der Vorlauftemperatur der Heizungsanlage ebenfalls gering zu halten; und
zweitens, wenn man Pumpen und eventuelle Stellantriebe so klein wie möglich
dimensioniert. Zusammengefasst: Die Wirtschaftlichkeit einer Wärmepumpenanlage
hängt von den elektrischen und thermischen Werten an der „kalten" Wärmequelle
und der „warmen" Wärmesenke ab.
Die folgenden Beispiele sollen zeigen, wie fachmännische
Planungs- und Installationsarbeiten gute Leistungszahlen auch zu guten
Jahresarbeitszahlen werden lassen.
Vorlauftemperatur der Heizung so niedrig wie möglich
halten
Im Neubau sind die benötigten Vorlauftemperaturen
exakt bekannt, vorausgesetzt, der zuständige Architekt oder Fachplaner hat
eine normgerechte Heizlastberechnung durchgeführt. Es empfiehlt sich, eine Fußbodenheizung
schon bei der Planung etwas großzügiger auszulegen, beispielsweise für eine
Vorlauftemperatur von maximal 30 statt 35 °C. Bei Sanierungs maßnahmen im
Altbau werden die maximalen Vorlauftemperaturen in der Planungsphase meistens
geschätzt. Es kann sinnvoll sein, die so ermittelten Werte noch einmal zu überprüfen
und zu korrigieren, wenn die erzielte JAZ völlig aus dem Rahmen fallen sollte.
Möglicherweise sind dann zusätzliche Wärmedämmmaßnahmen und der Austausch
vorhandener Radiatoren gegen größere unumgänglich. Eine erneute Überprüfung
ist vor allem geboten bei Heizungsanlagen, die eine Vorlauftemperatur von mehr
als 60 °C benötigen. Solche Heizungen können mit Wärmepumpen wirtschaftlich
wohl nur bivalent (also mit einem zweiten Wärmeerzeuger) betrieben werden. Ein
weiterer wichtiger Punkt: An der Heizungsanlage muss unbedingt der vorgeschriebene
hydraulische Abgleich durchgeführt werden. Wie Hersteller und Energiefachleute
immer wieder beklagen, wird diese Optimierungsmaßnahme fast regelmäßig
unterlassen. In vielen Fällen fehlt dazu wohl ganz einfach das notwendige Fachwissen.
Pufferspeicher
sind bei Fußbodenheizungen meistens überflüssig
Ein
Heizungspufferspeicher (200 bis 1.000l) kann die JAZ einer Wärmepumpenanlage verringern.
Er wird häufig eingebaut als so genannte hydraulische
Weiche, die eine Mindestumlauf-Heizwassermenge garantieren soll. Ein zu geringer Heizwasserdurchfluss lässt sich
aber auch durch den Einbau eines Überströmventils vermeiden. Ein Pufferspeicher ist allerdings dann erforderlich, wenn der
Stromtarif für die Wärmepumpe eine Sperrzeit von mehreren Stunden pro Tag
vorsieht und diese Zeit dann durch einen größeren Heizwasservorrat überbrückt
werden muss. Das gilt aber nur bei Radiatorenheizungen. Fußbodenheizungen
bilden (bei einem genügend hohen Fußbodenaufbau) selbst einen ausreichend großen
thermischen Speicher. Der Verzicht auf einen Pufferspeicher kommt der JAZ mit
0,1 bis 0,2 Punkten zugute.
Erdreichkollektoren
und Erdwärmesonden korrekt auslegen
Da die Jahresarbeitszahl entscheidend von der
Eintrittstemperatur des Wärmeträgers am Verdampfer und von der elektrischen Arbeit
für den Wärmetransport abhängt, kommt einer einwandfreien Funktion der
Erdreichkollektoren bzw. der Erdwärmesonden eine hohe Bedeutung zu. Bevorzugt werden
sollten Böden mit einer möglichst hohen Wärmeleitfähigkeit. Auch die Lage des Grundstücks,
das den Erdreichkollektor aufnehmen soll, kann sich auf den Ertrag auswirken.
So ist leicht einzusehen, dass solche Grundstücke
im Vorteil sind, die direkt und häufig von der Sonne beschienen werden und die genügend
Regenwasser für einen schnellen Wärmetransport aufnehmen können. Leider ist es häufig so, dass der Bauherr an ein
engbegrenztes Grundstück gebunden ist und Alternativen von daher nicht
bestehen. Andere Faktoren lassen sich hingegen sehr
wohl beeinflussen.
So müssen Erdreichkollektoren und Erdwärmesonden
regelmäßig entlüftet werden. Ferner ist bei der Verlegung der Kollektorrohre
darauf zu achten, dass die Rohrlängen der einzelnen Stränge 100 m nicht überschreiten,
um den Druckverlust im Kollektorsystem in wirtschaftlichen Grenzen zu halten.
Zu beachten ist außerdem die Viskosität des
Wärmeträgermediums, einer Sole, die sich aus Wasser und einem Frostschutzmittel
zusammensetzt. Mit einem zunehmenden Anteil des Frostschutzmittels würde der Druck
steigen. Beide Fälle (zu große Rohrlängen und eine zu hohe Viskosität) machen eine
höhere Leistung der Förderpumpe erforderlich, was wiederum zu einer Verringerung
der JAZ führt. Manchmal legen Planer oder Installateur Förderpumpen oder andere
elektrischen Verbraucher innerhalb der Wärmepumpenanlage bewusst größer aus als
notwendig, „um auf der sicheren Seite zu liegen". Das ist falsch. Man
kann es nicht oft genug betonen: Jede unnötig eingesetzte elektrische Energie
verringert die Jahresarbeitszahl und damit die Wirtschaftlichkeit der Anlage.
Brunnenförderpumpe und Wassermenge exakt
dimensionieren
Für die Wärmenutzung des Grundwassers werden
ein Förder- und ein Schluckbrunnen benötigt. Der Abstand zwischen beiden sollte
mindestens 15 m betragen. So kann ein Wärmekurzschluss, der einen unnötigen Energieverlust
bedeuten und die JAZ verringern würde, vermieden werden. Ansonsten gilt auch
hier, was auch schon für den Erdreichkollektor gesagt wurde: Die Brunnenpumpe
ist so auszulegen, dass der Energieverbrauch möglichst gering ist. Dazu gehört
auch, dass nicht mehr Wasser gefördert wird als unbedingt nötig.
Die Wirtschaftlichkeit einer Wärmepumpenanlage
hängt entscheidend von der Arbeitszahl bzw. - wenn sich der Betrachtungszeitraum
über ein Jahr erstreckt -von der Jahresarbeitszahl ab. Die Leistungszahl
hingegen, die auf dem Typenschild und in den Datenblättern der Hersteller angegeben
wird, ist nur ein Momentanwert, der allerdings auch seine Bedeutung hat, da er
die Leistungsfähigkeit der Wärmepumpe beschreibt.
Planer und Installateure können die Jahresarbeitszahl
durch falsche Dimensionierung und fehlerhafte Installation massiv verschlechtern.
Wird eine zu hohe Jahresarbeitszahl vermutet oder festgestellt sollte für eine
Ursachenforschung an Folgendes erinnert werden: Es ist wichtig, die Differenz der
Temperatur auf der „kalten" und die Vorlauftemperatur auf der „warmen"
Seite so gering wie möglich zu halten. Außerdem ist Sorge dafür zu tragen, die
Leistung aller elektrischen Hilfsantriebe wie auch die des Verdichters der Wärmepumpe
so niedrig wie möglich zu bemessen. Nur
so ist ein wirtschaftlicher Betrieb von Wärmepumpenanlagen zu gewährleisten.
Autor: Wilhelm Wilming
freier Jornalist, Arhaus, der Artikel stammt aus der Zeitung „Moderne
Gebäudetechnik“ 11/2009, Huss Medien