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Mikroorganismen verstehen
Friday, 1. August 2008
Um Desinfektionsmöglichkeiten in der Koihaltung anzuwenden, müssen wir zuerst lernen, welche Mikroorganismen der Freund oder Feind des Koi Halters sein können.
Mit dem bloßen Auge sind Mikroorganismen für uns nicht zu erkennen. Dennoch kommen Millionen von ihnen in allen Bereichen der Umwelt vor.

Diese sog. Kleinstlebewesen sind unglaublich vielfältig und bevorzugen Wasser- oder Feuchtgebiete. Darunter fallen zum Beispiel Bakterien, Pilze, Algen, Protozoen sowie unzählige mikroskopisch kleine Pflanzen und Tiere.

Zwar sind Viren und proteinöses infektiöses Partikel (Abk. Prion) keine wirklichen Mikroben, sie werden jedoch auch von der Wissenschaft unter dem Begriff Mikroorganismen zusammengefasst.

Während die meisten Organismen harmlos sind, gibt es dennoch einige die pathogen sind: sie sind krankheitserregend.

 

dazu lernen

Die Möglichkeit, dass winzig kleine, für das menschliche Auge unsichtbare, Wesen der Grund für Krankheiten bedeuten könnte wurde in der Vergangenheit schon oft heiß diskutiert. 1675 erfand Antonie van Leeuwenhoek den Prototyp unseres heutigen Mikroskops und die Wissenschaft der Mikrobiologie begann. Jedoch war es Robert Koch der 1876 die Verbindung von Mikroorganismen und Krankheit bewies.

Die Bakteriologie wurde ein Nebenzweig der Mikrobiologie, welche das Ziel hat, die Eigenschaften von bestimmten Mikroorganismen zu unserem Vorteil zu nutzen. Dieses wird bei Teichfiltrierung sehr deutlich.

Allerdings sind wir heute, trotz unserer technologischen Errungenschaften immer noch bestrebt die Mikroben zu kontrollieren, die gefährlich für Mensch, Tier und Pflanzen sind und auf die wir und die im Gegenzug auf uns angewiesen sind: z.B. der Koi.

 

Wahl des Wirts

Pathogene oder krankheitserregende Organismen haben sehr hohe individuelle Ansprüche an ihre Umgebung, Nahrung und Reproduktion. Ein Pathogen mit der Eigenschaft einen Menschen erkranken zu lassen, stellt möglicherweise für ein Tier kein Krankheitsrisiko dar. Allerdings gibt es auch solche, die beide – Mensch und Tier- infizieren können. Fischpathogene überleben hauptsächlich in einer Wirtspezies.

Bei Viren spielt die Veränderlichkeit der DNA eine Rolle, welche Fischarten infiziert werden.  Zu der Komplexität ist hinzuzufügen, dass es Krankheitstypen gibt, die sich in verschiedenen Fischarten entwickeln können, die in einem Teich leben.

 

gegen Mikroben

Der Begriff antimikrobiell bedeutet "gegen Mikroben".

Die Substanzen, die gegen ein Wachstum von Mikroben eingesetzt werden, bestehen entweder aus einer desinfizierenden, antiseptischen, bakteriziden oder antibiotischen Zusammensetzung. Antimikrobielle Produkte töten Mikroben nicht in der gleichen Art und Weise aufgrund der enormen Unterschiede in der Form und Funktion der verschiedenen Mikroben, weswegen auch die unterschiedlichen Chemikalien gebraucht werden. Die eine Art unterliegt möglicherweise einer bestimmten Substanz, während eine andere Spezies davon völlig unberührt bleibt. Der Grad der Bakterien und die Geschwindigkeit, mit der sie sich vermehren, können zu einem verbissen Kampf führen. Abgesehen von der Eigenschaft Bakterien zu töten, können antimikrobielle Produkte auch ein Risiko für die Fische und andere Lebewesen, die sich im Teich aufhalten, darstellen. Bakterien zur Teichfiltration werden teilweise oder häufig sogar ganz ausgelöscht, nachdem der Teich mit dem entsprechenden Produkt behandelt wurde. Deswegen ist es lebensnotwendig das Teichwasser zu überprüfen, nachdem antibakterielle Produkte verwendet wurden.

 

Hygiene Fehler

Teich – und Filterreinheit ist sehr wichtig.

Allerdings ist aber der eigentliche Bakteriengrad im Teichwasser von großer Bedeutung, wenn Krankheiten ausbrechen. Ganz egal, wie hygienisch der Teich gehalten wird: pathogene oder krankheitserregende Bakterien können sich im Filter verbergen oder sogar vom Koi selbst getragen werden.

Die Verkümmerung einer Schwimmflosse, erhöhte Schuppen und Rötung der Haut können ein Indiz für eine Infektion sein. Der Gebrauch von Bakteriziden ist ratsam, um Kreuzinfektionen vorzubeugen. Tut man dies nicht, und die ersten Indizien einer Infektion können beobachtet werden, so kann es schon zu spät sein und die Krankheit ist kein Problem mehr aufgrund der Wasserhygiene.

Sobald die Fische infiziert sind, könnten Antibiotika benötigt werden. Die meisten Bakterizide, die in Teichen benutzt werden, zielen besonders auf aeromone oder pseudomone Arten ab. Dies sind die häufigsten Bakterien, die im Teichwasser gefunden werden. Allerdings gibt es eine Vielzahl von Unterarten und gerade aufgrund dieser Vielfalt ist es sehr gut möglich, dass nicht alle Mikroben beim ersten Versuch vernichtet werden. In manchen Fällen ist eine Wiederholung der Behandlung erforderlich oder es bedarf eines anderen Produkts zur Behandlung. Es gibt heute eine Menge von Markenprodukten von Bakteriziden auf dem Markt und Akriflavin ist eine der bekanntesten Substanzen in diesem Bereich.

 

auf die Mikrobe zielen

Antimikrobielle Produkte können ihre Wirkung verlieren, wenn sie wiederholt gegen dasselbe Pathogen verwendet werden. Diese Erkenntnis hat einen einfallsreichen Bastler dazu gebracht ein wenig herum zu experimentieren.

Überzeugt davon, dass die Sterilisationsflüssigkeit für Babytrinkflaschen aus einer milden Zusammensetzung bestehen müsste, fand er heraus, dass es seinem Koi viel schlechter ging, nachdem er das Produkt bei diesem auf eine verletzte Stelle auftrug. Das Produkt zielte auf Milchpathogene und Milchsäurebakterien, welche natürlich nicht in einem Teich vorkommen. Er wusste also nun, dass die Plastikflaschen die bakterizide Einwirkung besser verträgt, als die Fischhaut.

Nur Produkte, die auf Bakterien zielen, welche im Teichwasser oder auf der Haut von einem Koi vorkommen wie z.B. Aeromone, garantieren eine sichere und effektive Behandlung.

Antiseptika sind milder als Desinfektionsmittel und sind so verfügbar, dass sie eine moderne Anwendung erlauben. Viele von ihnen enthalten Jod – eine starke antimikrobielle Substanz. Wird das Naturprodukt beschafft, vergewissern sie sich, dass es auf Wasserbasis besteht und korrekt verdünnt wurde, da es viele verschiedene Typen dieses Materials gibt. Manche Produkte basieren auf Pflanzenextrakten, die antimikrobielle Eigenschaften besitzen, so z.B. Teebaumöl.

Bakterizide sind bestimmt für die Anwendung in Teichen, während diese bakteriell infiziert sind. Sie können zwar keine Viruserkrankung heilen jedoch helfen sie die sekundären Probleme, die sich mit einem Virus oder einer anderen Krankheit entwickeln können, zu erleichtern.  Einige Bakterizide können Parasiten abtöten, z.B. Protozoen, die sich in der Schleimschicht aufhalten, aber sie werden keine Auswirkung auf größere Parasiten wie Fischläuse, Blutsauger oder andere Würmer haben.

 

farbenfrohe Kuren

Viele farbenfrohe Kuren werden zur Behandlung von Fischen benutzt, obwohl diese für diesen Zweck nicht zugelassen sind. Dazu gehören Malachitgrün, Methylenblau, Akriflavin und Kaliumpermanganate. Malachitgrün ist und bleibt - obwohl man weiß, dass es krebserregend ist - eine beliebte Wahl für die Behandlung bei Pilzinfektionen bei den meisten Fischarten. Akriflavin wird genutzt um Verbrennungen bei Menschen zu behandeln. Wird es für den Teich genutzt vermindert es Mikroben wie Pilze und Bakterien ohne eine größere Auswirkung auf andere Pathogene zu haben. Werden Fische eine extrem lange Zeit diesen Akridines (Familie, aus der das Akriflavin stammt) ausgesetzt, können sie unfruchtbar werden.

Ursprünglich wurden die Verfärbungen genutzt, um die mikroskopischen Beobachtungen zu verbessern und die Vermehrung der Mikrobakterien zu verlangsamen was dazu führte, sie als Medizin einzusetzen. Jedoch wurde die Toxizität schnell offenkundig. Das Wissen, dass bestimmte Mikroben die Fähigkeit besitzen, die Verfärbungen aufzusaugen löste die Erforschung von antimikrobiellen Arzneistoffen aus.

 

ein sicheres Desinfektionsmittel

Benzalkonium Chlorid ist ein Desinfektionsmittel mit quaternärer Ammoniumverbindung (quaterny ammonium compound, kurz: QAC), welches unter verschiedenen Markennamen zur Behandlung von Teichen oder als Bad verfügbar ist. Während Desinfektionsmittel generell etwas unsicher sind, haben QAC-Desinfektionsmittel eine größere Sicherheitsbandbreite und Vielfältigkeit in der Anwendung bei Fischen. Verwendet man es als gewöhnliche Substanz bedarf es eines genauen Verdünnungsrezept, um es bei Kois sicher zu benutzen. Zur Behandlung von einem Teich im Frühstadium einer bakteriellen Verseuchung kann Benzalkonium Chlorid sehr effektiv sein.

Um Erleichterung bei einer Kiemenverstopfung ausgelöst durch Parasiten, Pilze oder Bakterien zu erreichen, kann auch eine höhere Dosierung als einzelnes Bad verwendet werden. Dieses bewirkt automatisch eine weitere Öffnung der Kiemen als gewöhnlich, um die Fremdkörper  aus den Fäden auszuspülen und verletztes Gewebe zu beruhigen, welches ständig entzündet war.

 

das Chlordioxid

Diese Substanz wird häufig in der industriellen Haltung verwendet, wenn die Kois in weniger optimalen Bedingungen gehalten werden, wie z.B. bei Überbevölkerung. Der mikrobielle Bestand wird klein gehalten und Ammoniak und andere Abfallprodukte werden somit kontrolliert und haben keine krankheitserregende Auswirkung im Koi. Allerdings gibt es ein Manko: die Gesundheitsprobleme, die auf diesem Weg zeitweise gehemmt werden, können sich später weiterentwickeln. Chlordioxid wird nicht für die Teichhaltung empfohlen, sondern nur für temporäre Einrichtungen.

 

Schnickschnack und Hilfsmittel

Einige Hilfsmittel behaupten, sie hätten dieselbe Wirkung wie ein Desinfektionsmittel.  Die Technik für UV Sterilisatoren entwickelt sich ständig weiter und so sollte man auf einige wichtige Merkmale achten, wenn man sich eine neue Einheit kaufen möchte. Die Hauptzielsetzung einer Standard UV-Anlage sollte sein: das Algenvorkommen im Teichwasser zu minimieren. Einige Anlagen reduzieren nebenbei auch noch geringfügig den bakteriellen Bestand oder die Anzahl der freischwimmenden parasitären Organismen im Teichwasser, während wieder andere weitaus mehr dezimieren.

Will man die Ozon emittierenden Geräte sicher benutzen, so hängt dies davon ab, wie sie sich in der Praxis anwenden lassen. Ozon ist ein Allotrop (eine strukturell anders beschaffene Form eines Elements) von Sauerstoff, in welchem Moleküle keinen rein gelösten Sauerstoff mehr bilden. 

So wird ein Gas gebildet, das wie handelsübliche Chlorbleiche riecht und in etwa auch die gleiche Wirkung hat. Es gibt Ozonisatoren, die mit einem Karbonfilter arbeiten, welcher dem Wasser das Ozon entzieht, bevor es wieder in den Teich zurück fließt, so dass die Fische dem Ozon nie direkt ausgesetzt sind. Der Nachteil einer andauernden Ozonbehandlung ist jedoch, dass der Koi in der Zukunft Schwierigkeiten haben wird, sich einer normalen Teichumgebung anzupassen.

 

Antibiotika

Es existiert eine Vielzahl von Gründen, warum Antibiotika nicht alle Ausbrüche von bakteriellen Erkrankungen bei einem Koi heilen können. Der Fisch ist in einem Teich ständig Kreuzinfektionen und ernsthafteren Erkrankungen ausgesetzt, die häufig einer fachmännischen Handhabe und Ratschlägen bedürfen, um ein Wiederausbrechen zu vermeiden. Die bedenkenlose Verfügbarkeit von Antibiotika hat dazu geführt, dass sich hochresistente Bakterienstämme entwickelt haben. Ebenfalls müssen die Nebenwirkungen, die Antibiotika mit sich bringt, auch nicht unbedingt sofort während der Behandlung auftreten.

Natürlich soll ein kranker Fisch nicht aufgrund dieser Aussagen unbehandelt bleiben, Antibiotikum kann in einigen Fällen auch die beste Lösung für ein Krankheitsproblem sein. Trotzdem ist die Vermeidung von bakteriellen Krankheiten einfacher, als eine Behandlung, wenn es schon zu spät ist.

 

nach einer Erkrankung

Nach einem ernsthaften Krankheitsausbruch, wie z.B. durch einen Virus ist ein starker Wirkstoff nötig, um den Teich zu sterilisieren. Dazu eignet sich: Natronlauge, jodhaltige Desinfektionsmittel oder Chlor. Ein Virus ist keine Mikrobe und so ist die Anwendung von antibakteriellen Produkten oft nutzlos. Liegt kein Virusbefall vor und der Teich wird nur vorbeugend gereinigt, dann genügt auch ein handelsübliches Desinfektionsmittel um Netze, Schüsseln, Tücher und anderes Equipment zu reinigen. Für eine Tiefendesinfizierung eignet sich auch Kaliumpermanganat.

Unabhängig davon, ob die Arbeitsgeräte gerade großzügig behandelt wurden, ist es sehr wichtig diese sorgfältig abzuspülen. Netze und andere Utensilien, die zu groß sind, um sie einzutauchen können mit einem verdünnten Desinfektionsmittel aus einem Zerstäuber gereinigt werden. Danach diese auch sorgfältig abspülen und trocknen lassen.

Nebenbei bemerkt: das Trocknen in der strahlenden Sonne verringert auf natürliche Weise Mikroben, wie z.B. Bakterien. Sie ist der natureigene sterilisierende Wirkstoff der Erde.

 

Englische Originalfassung Koi Carp Magazin, übersetzt durch Robert Jungnischke, August 2008 

 

Vor jeder Verwendung von Medikamenten und Desinfektionsmitteln ist ein Fachmann zu Rate zu ziehen! Was in einem Fall hilft, kann in einem anderen tötlich sein. Eine Behandlung ohne Indikation ist nicht Ratsam. 

 
 
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